Baubericht des Motorboots "Fernweh", 1981-1986

1. Vorbereitung:

Die „Fernweh“ hatte ich von Anfang an im Kopf.

Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit, die mit Zeichnen, Berechnungen und einem Jahr der Materialbeschaffung angereichert waren, wurde im Herbst 1981 mit dem Bau der „Fernweh“ begonnen. Mit ein paar frommen Sprüchen im Kopf, wie: „Mit dem Beginn geht‘s los“, machten wir uns Mut. Das Projekt war im Kopf ausgereift und einige Maße standen sowieso im vornherein fest. Unser Bootshaus ist 12 x 4 m und so konnte das Boot circa 11 x 3 m werden. Um einige Stabilitätskriterien zu ermitteln und um Form und Raumaufteilung besser beurteilen zu können, wurde im Winter zuvor ein Modell im Maßstab 1:10 angefertigt. Grundvoraussetzungen unseres Planes waren:

- das Boot sollte eine komplette Stahl - Schweißkonstruktion werden
- mindestens fünf Schlafplätze haben
- eine Pantry für den Langzeiturlaub für mindestens fünf Personen besitzen

- eine Toilette mit den Mindestmaßen 2 x 1 m, mit WC, Waschbecken und Schmutzwasserzelle

- eine Wohnplicht mit abnehmbarem Hardtop
- eine Badeplattform, mindestens 3 x 1 m, mit bequemer Leiter auch zum Wasser hin
- eine mindestens 300 mm breite Gangbord mit hüfthoher stabiler Reling, so dass man noch im hohen Alter das Schiff im Griff hat
- der Motor sollte unter Flur liegen
- ein begehbares Sonnendeck über der Kajüte usw. usf.

Die Forderungen dies alles unterzubringen gründeten sich aber auf viele Jahre Erfahrung im Wassersport auf den Binnengewässern und den uns damals zur Verfügung stehenden, begrenzten, Küstengewässern, denn schließlich lebten wir zur Bauzeit in der DDR.
Den Komplex Materialbeschaffung lasse ich aus diesen Gründen weg, denn hier würde der Leser vor lauter Lachen nicht weiterlesen können. Nur so viel: die Schrottplätze zwischen der Küste und dem Erzgebirge waren unsere Fundgrube.

2. Der Bauplatz:

Wichtiger aber war, dass wir das Projekt Neubau auch bis zum Ende durchstehen. Wir hatten im Bekannten- und Freundeskreis mehr Zweifler als Optimisten: Ein 11m langes Boot war in den 80‘er Jahren schon ein dickes Ding, zudem hatten wir die 40 um ein paar Jahre überschritten. Zur Ergänzung muss gesagt werden, dass wir zwei Boote bauen wollten. Mit einem guten Freund zusammen, für den wie auch für mich der Satz galt „Geht nicht gibt es nicht“. Zu oft haben wir am Bootshaus, mit einer Flasche Bier in der Hand gesessen und unsere Träume in die Abendsonne, auf den Grienerick See, hinausgeschickt.
Unser Bauplatz war ein wild bewachsener Garten am Stadtrand. Als Werkstatt kauften wir eine alte Laube, demontierten sie und bauten sie im Garten wieder auf. Schließlich benötigten wir für die nächsten Jahre einen trockenen Unterstand für Maschinen und Werkzeug. Alles Arbeiten die noch dazukamen.
Unsere Ausrüstung war absolut antiquarisch:

- eine Ständerbohrmaschine (100 Jahre alt)
- eine ebenso alte elektrische Kaltsäge
- ein alter Amboss
- ein paar Handbohrmaschinen
- ein Trennjäger (1980 gab es nur einen Typ im Ostblock, aus Tschechischer Produktion der 15 kg wog)
- ein Berg von Schraubzwingen und Klemmen
- mehrere Hämmer, Meißel und Feilen
- und einen großen Haufen Kies, zum Treiben von Spanten und Blechen.

Hört sich das nicht abenteuerlich an?
Trotzdem nannte man unsere „Helling“ Blohm + Voss - für uns war es die „HeiRö“ Werft, in Anlehnung an die Anfangsbuchstaben unserer beiden Nachnamen.

3. Erste Bauphase:

Der Beginn der ersten Bauphase war ebenso außergewöhnlich.
Die Konstruktion war auf Längsspanten ausgerichtet und sollte vom Deck aus beginnen. Das bedeutet, wir bauten das Boot auf dem Kopf stehend, angefangen mit dem Oberdeck.
Als wir so richtig angefangen hatten stellten wir fest, dass es hervorragend lief. Im März 1982 lagen beide Oberdecks auf unserer „Helling“. Wir liefen darauf hin und her und träumten. Geschliffen und gestrichen, drehten wir es wieder um und schweißten die Bordwände daran. Unsere Stahlplatten maßen 2x1m, 3mm Walzblech. Damit war die Bordwandhöhe von 1m vorgegeben. Eine Scheuerleiste, die Kimm aus Bandeisen und das Oberdeck waren unsere Längsspanten. Natürlich mussten viele Hilfsspanten von Bordwand zu Bordwand, Verstrebungen, Bodenwrangen usw. das Ganze in Form halten. Heck und Bug vernachlässigten wir erst einmal.
An einer Gerüststangenkonstruktion hängten wir ein Bandeisen, 100x10mm, als Kiel in die Luft. Zwischen Kiel und Kimm schweißten wir die 2x1m Blechplatten, jetzt aber quer. Somit war ein, jetzt schon erkennbar, sehr spitzes Kielboot entstanden. Gleiches Bandeisen schmiedeten wir, in sehr eleganten Schwüngen, zum Kiel für Heck und Bug. An diesen Stellen bekam das Schiff auch gewöhnliche Spanten aus Bandeisen, da sich dieses besser formen ließ als Winkeleisen. Winkeleisen verwendeten wir an allen Plattenstößen. Somit erreichten wir einen glatten Übergang von Platte zu Platte und gleichzeitig verringerte sich der Schrumpfprozess beim Schweißen.
Nach einem Jahr Bauzeit begannen wir mit dem Bug und Heck Unterwasserschiff. Hier kam unsere raffinierte Lösung zur Anwendung. Um einigermaßen geschwungene Formen zu erreichen, schnitten wir die 2m Blechtafeln in 200mm breite Streifen. Durch Überlappung erreichten wir fast jede erforderliche Form, um die Bereiche zwischen Kiel-Heck-Boden-Bordwand zu schließen. Sicherlich gibt es in der Bootsbaubranche elegantere Lösungen, aber für uns Möglichkeiten war diese die lösbarste. Ein Stevenrohr ins Unterwasserschiff einzubringen, oder den Kiel bis zum Ruderblattwiderlager zu verlängern, war ein Kinderspiel.
Da wir den Motor, einen Vierzylinder LKW Motor mit 125 PS aus dem W50, schon hatten, war die Einbaulage einigermaßen klar - aber wirklich nur einigermaßen. Eine Anpassglocke für das Lunze Getriebe, die Welle und alle Flansche mussten noch gefertigt werden. Alle Durchbrüche, die so ein Schiff so benötigt, bedürfen keiner Erwähnung – das waren Arbeiten so nebenbei. Mitte Oktober 1983 war es soweit:
Die Boote wurden gewendet und auf den Kiel gestellt. Wir bauten uns eine Traverse mit zwei Schlaufen, in denen das Boot hing. Mit einem Autokran setzten wir es, in Schritten von 0,5 Metern, auf der einen Seite auf Holzstempel ab, so dass es sich in den Schlaufen drehte und umschlug. Eine dramatische Aktion. Die erste Bewährungsprobe für Konstruktion und Schweißnähte. Den Motor setzten wir auch gleich in die Schale. Jetzt wurde uns erst so richtig bewusst was wir da gebaut hatten. Eine mordsmäßige Schale und ein kleiner Haufen Motor darin, der marinisiert 600kg wog. Und dann erst die Außenansicht: schlank, mit einem 45 Grad Bug und einem Heck zum verlieben. Die anschließende Feier war dementsprechend.

4. Stapellauf:

Die Anpassung des Lunze Getriebes war natürlich ein Problem für uns. Die Herren der modernen Bootsmotorenhersteller würden einen Infarkt bekommen, wenn sie gesehen hätten, wie ein schier unlösbares Problem mit einfachsten Mitteln gelöst wurde und zuverlässig die nächsten 12 Jahre lief.
Unsere Aufbauten fertigten wir aus 2mm Tiefziehblech. Das war bedeutend weicher und ohne Zunder. Einen „Großauftrag“ konnten wir bei einer kleinen Firma unterbringen, die eine 3m Schlagschere und eine Abkantbank hatte. Hier ließen wir alle Zuschnitte für die gesamten Aufbauten zuschneiden und abkanten. So brauchten wir alles nur Längen und verschweißen. Mitte Juni 1984, zum geplanten Stapellauf, war das gesamte Aufbauten – Problem gelöst, Fensterrahmen vermessen, Bulleyes, Fußböden und Tanks drin – alles was so zum Schwimmen dazugehört, erledigt. Ruderanlage, Wellenanlage, Anker, Schmutzwasserzelle, diverse Ventile und Rohrleitungen wurden installiert.
Jetzt im Nachhinein hört sich alles an, als wäre es ein Klacks. Wenn man aber bedenkt, dass wir alle Winkel und Bandeisen, die wir einbauten mit 4mm Löchern im Abstand von 150mm versahen, um nachher irgendwelche Verkleidungen befestigen zu können, wird klar welche Arbeit das war. Wer jemals im fertigen Schiff ein Loch in einen Spant gebohrt hat der weiß wovon ich rede.
Vor dem Stapellauf musste natürlich gestrichen werden. Da wir Walzblech verwendet hatten, mussten wir den ganzen Körper schleifen, damit die Farbe hielt. Die letzte Phase vor dem Stapellauf, war wiederum mit viel Nebenarbeit erfüllt. Zuerst benötigten wir einen Transportwagen. Dazu kauften wir einen Bagger vom Schrott, da wir die beiden Achsen benötigten. Diese verbanden wir mit zwei kräftigen Doppel T – Trägern im Abstand von 6m und schweißten Rungen in Bootsform darauf. Für den Traktor der uns ziehen sollte, wurde ein 4m langes Zugrohr an das Drehgestell geschweißt und los ging es. Dabei war zu bedenken, dass wir eine Transporthöhe von 3,5m hatten.
Wir mussten von riesigen Bäumen Äste entfernen, Schlaglöcher schließen, Telefonleitungen und irgendwelche Kabel anheben, die vorher kein Mensch wahrnimmt. Dazu wurde am Abend zuvor eine Kalterprobungsfahrt durchgeführt. Mit entsprechenden Isolierstangen mussten wir die fast 2km durch die Stadt zurücklegen, um eventuelle Hindernisse aufzuspüren.
Im Morgengrauen erfolgte die unheimliche Fahrt. Die größte Angst bereitete uns natürlich unser Transportwagen. Wahrscheinlich aber hatten wir eine gute Schweißarbeit abgeliefert: es hielt alles. Dass die Sektflasche bei der Taufe nicht zerbrach, hatte bis jetzt noch keine Auswirkungen. Schließlich ist das bei der Taufe der "Queen Victoria" im Dezember 2007 auch passiert. Na, wir werden das mal verfolgen.
Natürlich war das alles ein furchtbarer Stress – nicht auszudenken wir wären mitten in der Stadt liegengeblieben. Erkennbar war dieses Ereignis am deutlichsten an meiner Figur. Ich hatte in der Woche 6 kg abgenommen.
An dieser Stelle möchte ich mal einen „Großen Dank“ an meinen Freundeskreis loswerden, der uns dabei so toll unterstützt hat und vor allen Dingen an die Familie. Wir waren ja so ganz nebenbei verheiratet, hatten Kinder und sogar ein Enkel war dabei. Was musste da alles zurückgesteckt werden. Wenn ich Abends nach Hause kam, nachdem ich 100 mal ins Boot geklettert war, zur Werkstatt, gebohrt, gesägt geschliffen, gemessen, angepasst und geschweißt, um Mitternacht aufs Fahrrad und in die Wanne, zitterten mir die Knochen, dass sich das Wasser in der Wanne kräuselte, wie im Hafen bei Windstärke 2. Hinzu kam, dass wir ja in einem ganz geregelten verantwortungsvollen Arbeitsverhältnis standen und dies alles nur nach Feierabend, an Wochenenden und im Urlaub bewerkstelligen konnten.
Einer unserer Leitsprüche war: „Jeden Tag eine gute Tat, dann ist es zu schaffen". Damit komme ich zu einem der traurigsten Kapitel dieser Geschichte.

5. Zwischenfälle:

Obwohl wir zwei Bootsbauer uns von Anfang an immer gegenseitig unterstützten, entstand nach dem Drehen der Boote, eine kleine Endspurtstimmung. Mal war der Eine und dann wieder der Andere etwas weiter. Nebenbei wurde ja schon der Innenausbau vorbereitet. Isoliermaterial, Sperrholzverkleidung, Schränke, Bänke und viel Technik waren in Arbeit. Mein Freund schaffte sich einen elektrischen Handhobel an. Die Erprobung fand in seiner Garage statt. Er schob eine Latte über den liegenden Hobel, der mit ein paar Tausend Umdrehungen seine Kraft demonstrierte. Besagte Latte sprang hoch, er griff danach mit dem berühmten Reflex, und zack:
Er sprang zurück, die Latte durch die Luft und ich zum Stecker. Danach war lange Zeit Ruhe. Mein Freund hatte die Hand zwischen die Beine geklemmt. Als ich den Hobel anhob, lag da die Bescherung. Fein – Gehacktes und dazwischen in kleinen Scheiben die Knochen. Drei Finger waren komplett und der linke Zeigefinger halb ab. Mir blieb für Sekunden das Herz stehen. Ja, so kann es auch ausgehen.
Von dieser Panne hat er sich nicht wieder erholt. Obwohl ich monatelang versucht habe – auch noch als ich schon lange fuhr – mit gutmütigen und auch ernsthaften Gesprächen ihn aufzurichten war nichts zu machen. Die Finger taten weh, im Sommer war das Blech zu heiß und im Winter zu kalt. Er kaufte sich einen Farbfernseher und sprach dem Bier zu. Die Wende hat er noch miterlebt. Oft hab ich von meinen großen Reisen angerufen, und dann ging er von uns.
Oft werde ich an unsere schöne Zeit erinnert, und von jeder Flasche die an Bord geöffnet wird, bekommt er einen Schluck ab. Natürlich blieben auch bei mir kleine Verletzungen nicht aus. Als ich im Bug eine Platte mit dem Trennjäger herausschnitt – hier sollte die Ankertasche eingeschweißt werden – rutschte ich ab, der Trennjäger hinterher und auf mein Knie. Nach einer ganzen Weile brannte es. Es war Winter und ich hatte drei Hosen an. Als ich die alle aushatte, konnte ich damit gar nichts anfangen. Aus einer klaffenden Wunde sah ich meine Kniescheibe, schneeweiß, mit einer 2cm langen Trennjäger – Nut eingefräßt, kein Tropfen Blut. Na Prost. Zum Schluss der Bauphase fehlte mir noch ein Glied am linken Mittelfinger.
Also liebe Bastler: schön Obacht geben, denn es kommt oftmals anders als man denkt. Solche Bilder vergisst man nie. Als ich den Ausbau des Bootes im Bootshaus fortführte, wurde ich besonders vorsichtig. Immer allein und bis spät in die Nacht hinein – auch das war eine Herausforderung die über ein Jahr andauerte.

6. Fertigstellung:

Nach dem Zuwasserlassen des Bootes, bestätigte sich die Berechnung, dass der Schwerpunkt einen ganzen Teil höher lag als erwünscht. Da unsere gesamten Aufbauten aus Stahl und schon fertig waren, war das Unterwasserschiff noch ein hohler Vogel. Da von mir jedes eingebaute Teil einigermaßen genau berechnet wurde, lagen wir jetzt bei 5t.
Als wir das erstemal mit kompletter Ausrüstung am Haken hingen, wog das Schiff 8,5t. Diese 3,5t Differenz wurden überwiegend im Unterwasserschiff eingebaut. (Davon entfallen allerdings fast 1t auf Dieselkraftstoff)
Unsere Ausrüstung ist zurzeit so komplett, dass wir uns als kleine Werkstatt bezeichnen können. Angefangen vom Stromerzeuger, über Flex und Schweißgerät ist alles vorhanden. Unsere Hilfeleistungen einigen Sportfreunden gegenüber, hat schon oftmals Erstaunen hervorgerufen.
In was für Berufszweige wir uns so alles reinarbeiten mussten, war schon enorm. Neben dem Stahlbau war ja so allerhand Wissen an Motoren-, Pumpen- Elektro- und Rohrlegetechnik erforderlich und auf kleinsten Raum zu realisieren. Wenn ich daran denke, dass wir drei Stromkreise haben: -230V für Landanschluss, die Ladegeräte, Licht und Steckdosen für den Hafenbetrieb, -24V für Anlasser, Signalhorn, diverse Motoren für Pumpen, Hubtisch und Scheibenwischer, -und 12V für alle Beleuchtungen.
Die Tischlerarbeiten waren der nächste Komplex. Neben der Schrankwand waren das alle Verkleidungen, Tische (mit Intarsien versehen), Klappliegen, Polsterarbeiten für Sitzecken, die Himmel in den großen Räumen mit Leder bespannt und das selbst gedrechselte Steuerrad (erst das dritte Steuerrad entsprach meinen Vorstellungen). Daneben die so verschiedenen Maler- und Lackierarbeiten. Allerhand Berufszweige die wir da streiften.
Annähernd genauso genau wurde von mir die finanzielle Ausgabenseite geführt. Um später einmal eine annähernde Aussage machen zu können, wurde auch der geleistete Stundenaufwand mitgeschrieben.
Übrigens: mein erstes selbst gebautes Boot, ein 8x2,5m Gleiter, wurde mit einem Stundenlohnverdienst von 1(Ost)Mark verkauft. (Da kann man schon staunen über Mindestlohn- und Hartz 4 Debatten)
Ganz zu schweigen von den nervlichen Belastungen. Ganz schlimm waren Phasen, in denen ich von irgendwelchen Problemen träumte und nachts aufstand, Zeichnungen machte oder irgendwelche Berechnungen überprüfte. Manchmal hatte ich Angst, dass mir in irgendeiner Gehirnwindung ein Kurzschluss entsteht. Trotzdem wurde das Schiff nach 5 Jahren Bauzeit urlaubsbereit.
Seit 1986 fahren wir die schönsten Reviere ab und sind schon die letzten Jahre den gesamten Sommer auf unserer „Fernweh“. Ein schöner Lohn nach soviel Verzicht. Nur wer Erfolg will, muss Erfolg wollen.
Allen Lesern dieser Zeilen wünsche ich viel Spaß beim Wassersport, obwohl die richtigen Wassersportler immer weniger werden. Ahoi, und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel.

Die Fortsetzung und Vertiefung der Geschichte:

Eigentlich waren wir Zwei ein paar richtig arme Schwei... Außer einer großen Portion Optimismus, dem Wunsch nach einem neuen großen Boot - modern und für die ganze
Familie gedacht, besaßen wir nichts.
Jegliche finanzielle Belastung war somit das größte Problem aller Dinge, die da auf uns zukamen.
Das Einzige, was uns so richtig sicher war, war die Gewissheit, dass wir in der DDR wohnten und sich auf unabsehbare Zeit nichts daran ändern würde. Also hieß es sich
darauf einstellen, seinen Freiraum schaffen, nicht allzuoft anecken, denn wir standen auf der anderen Seite unserer Ordnungsmacht...

Doch eines hatten wir noch: einen großen Bauplatz - den Garten meines Freundes. Hier konnten wir alles unterbringen, hatten zwei Garagen zur Verfügung und beschafften uns noch eine große Laube auf Abriss. Hier fand unserer "Maschinenpark" seinen Unterstand.
Nun glaubt aber nicht, dass alles so ernst abging. Wir waren eine fröhliche Truppe, immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Mein Freund hatte Beziehungen zur
Brauerei, so dass wir das Bier zum Einkaufspreis bekamen.
Wenn eine Pulle da wa, dann hatte man auch mal eine helfende Hand, und Zuschauer hatten wir sowieso unendlich viele.
Das Projekt "Neues Boot" war aus der Notwendigkeit gewachsen: meines war zu klein für die gewachsene Familie und für unser Alter (weder Toilette noch Pantry) und das
meines Freundes war es einfach zu alt.
Bei den ersten Entwürfen ging es schon los: zwei Mann, vier Meinungen - jeder wird das kennen. So war also die Projektierungsphase sehr diskussionsreich und das Projekt
wurde immer umfangreicher.
Und recht hatten wir, wenn schon denn schon.
Damals wurden wir für verrückt erklärt, ein Boot 11 x 3 m - Ende der 70er Jahre... in der DDR... und dann noch privat....

Werkzeuge und Maschinen:

Parallel zur Zeichen- und Rechenarbeit wurde ein Modell gebaut, unsere Werkstatt eingerichtet, Varianten entworfen und wieder verworfen, Beziehungen aufgefrischt und Materialbedarf ermittelt.
Jetzt wurde auch mir etwas mulmig, wo liegt der Rechenfehler - schon beim Modellbau sind uns einige Umrechnungen mißglückt.
6 Tonnen Blech, Winkeleisen, Bandeisen, über 100Kg Elektroden..., es gab keinen Rechenfehler.
Eine Säge mußte her, eine Ständerbohrmaschine, ein Amboss, diverse Handbohrmaschinen, Hämmer, Keile, Zwingen, ein Haufen Kies und und und. Schweißmaschine,
Trafo, Kabel, Lampen, Trennjäger...
Wir saßen im Garten, das Gras genau so hoch wie wir, auf unserem Kasten Bier lag ein Stück Karton mit einem Zettel; darauf und es reihte sich Position an Position, aber
die Sonne schien.
Viele von Euch werden sich nicht vorstellen können wovon ich rede, es war Anfang der 80er in der DDR.
Keiner von uns wollte zugeben, dass es ein harter Brocken war, den wir da anpackten, aber zum Schluss waren wir uns immer einig: jetzt haben wir angefangen, ein
Aufgeben gibt es nicht. Diesen Gefallen wollten wir den Zweiflern in unserem Bekanntenkreis nicht tun.
Zu dieser Zeit dachten wir nur an den Stahlbau, richtig los ging es erst mit dem Ausbau der Elektrik, den Holzarbeiten dem Rohrleitungsbau und der Konservierung. Pinsel,
Kleber, Dichtmaterial, Schneidkluppen...
Wir fuhren mit dem Trabbi von Hinz zu Kunz, von Werft zu Werft, wir lernten die fantastischsten Menschen kennen und überall wurde uns geholfen. Wir lernten
Schrottplätze kennen - da wurde uns warm ums Herz.
Was so alles entsorgt wird. Für uns Bastler eröffneten sich himmlische Tore.
Wie überholten die alten Schätzchen, wie beispielsweise eine 1903 gegossene Ständerbohrmaschine und Kaltsäge.
Der alte Schmiedemeister freute sich so sehr, dass wir sie weiter nutzen wollten, dass er sie uns schenkte.
Unser Amboss vom Schrott kostete uns drei schwere Köpfe,dazu später mal mehr...

Transportprobleme:

Schon weit vor der Bootsbauphase bestand für fast jeden DDR Bürger ein Transportproblem. Jeder hatte was zu transportieren, die Häuslebauer, die Gartenbesitzer und natürlich die Bastler wie wir. Der Hänger an einem Trabbi war ein gewohntes Bild bei uns - also brauchten wir einen.
Kaufen war natürlich eine Lösung, aber doch nicht für uns.
Wir bildeten eine Arbeitsgruppe, wie es sich so gehört. Einer war für Reifen, Dreieckslenker und Beleuchtung zuständig, einer für den Stahlbau mit Kotflügel und alle
Beschläge, einer für Zugrohr, Verkabelung und Kupplung und einer für das ges. Prüfverfahren und die Zulassung. Nach einem halben
Jahr hatten wir jeder zwei Hänger. Der eine wurde verkauft und der Andere
hatte sich damit bezahlt gemacht. Oftmals wenn ich in meine damalige Heimatstadt komme, sehe ich immer wieder mal eines dieser Exemplare.
Für größere Transporte mußten wir natürlich uns einen LKW chartern. Hierzu muss ich mal eine kleine Geschichte erzählen. Sie liegt etwas zurück: es war zur
Bootshaus-Bauphase.
Vor unseren Bootshäusern war früher mal ein Campingplatz. Unmittelbar an der Baumgrenze standen die Toiletten, Sechszylinder.
Im Winter kamen die Hütten weg und die Grube wurde mit Sand abgedeckt.
Als unserer Traktor mit einer Ladung alter Telegrafenmasten ankam ,sackte der gesamte Traktor mit einer Radseite in eine dieser Gruben. Als der Traktor eine Schräglage
von 45° erreicht hatte, sprang der Fahrer
heraus und schrie: das ist ja Schei... Es war eine Schwarzfahrt in der Mittagspause. Als wir den Traktor wieder draußen hatten, habe ich mindestens tausend Eimer Wasser
aus dem See holen müssen.
Ich will das hier nicht weiter erklären; aber nur soviel: es war ein toller Tag.


Winterarbeiten

Bevor unser Material so alles zusammen war und es richtig losgehen konnte, wurde vor allen Dingen in den Wintermonaten schon im Keller und in unserer Laube, fleißig gewerkelt.
Ich entwarf ein Steuerrad, (eine Drechselbank hatte ich mir schon vor ein paar Jahren gebaut) Ein fantastisches Teil mit Drehzahl geregeltem Gleichstrommotor. Erst das
dritte Steuerrad entsprach unseren Vorstellungen.
Als nächstes kam der Tisch im Salon dran. Natürlich Eiche massiv, mit Intarsien - ein Schachbrett und ein Mühlespiel.Da der Tisch absenkbar sein sollte, wurde hierzu die
passende Mechanik entwickelt. Von fünf Varianten die in Fachkreisen bis ins Deteil ausdiskutiert wurden, setzte sich meine durch. Zwei Spindelmuttern, angetrieben von einem LKW Scheibenwischermotor, waren die Lösung, die bis heute exakt funktioniert.
Diese Scheibenwischermotore gab es zuhauf auf LKW Schrottplätzen. Sie fanden bei der Fernweh an einigen Stellen Anwendung. Auch die Spindelmuttern fand ich im
Schrott an einer Kopiermaschine. (Das ist sowas wie eine Drechselbank).
Vom Modell schrieb ich ja schon. Es stand in unserer Laube und spornte uns an. An den Wänden hingen die Zeichnungen und Skizzen - jede problematische Stelle erhielt
eine Detaillskizze. Besonders stolz waren wir auf unserer Programm-Ablauffolge. Aufgebaut wie ein Netzwerk, wurde jeder Arbeitsschrit vorgegeben. Parallel dazu gab es neben jeder Arbeit
ein oder mehrere Ausweich-Arbeiten. Sollte es irgendwo mal klemmen wurde sofort umgestellt und es ging an anderer Stelle weiter, bis das Problem im Kopf oder auf der
Zeichnung geklärt war. Von dieser Art kleinerer Winterarbeiten gab es viele.
Wir waren heiß auf das Frühjahr 1982, da sollte es richtig losgehen.

Als ich im Sommer 1980 von Freunden mal nach Warnemünde zu einem Jubiläum eingeladen wurde, machten wir mit einem neuen Schlepper eine Hafenrundfahrt. (zu meiner Verbindung nach Warnemünde später mal was) Hier verliebte ich mich in ein Schiffsfenster, solider AL Bau, in der Größe eines Fluchtweges. BSH geprüft, 6mm Sicherheitsglas. Das wäre das Richtige für unser Kajütdach! Über die Herstellerfirma des Schleppers kam ich zum Hersteller der Fenster. Eine kleine Firma am Rande Berlins.
Ich dort hin, lerne eine Disponentin kennen die für Versand, Verpackung und Kundenbetreuung usw. zuständig war. Ein Traum von Mädel. Ja schließlich war ich vor dreißig
Jahren im besten Alter...
Ich habe geflirtet was das Zeug hergab. Ich gab nicht eher Ruhe bis ich in der nächsten Woche einen Termin mit ihr hatte - in ihrer Mittagspause zum Essen.
Es entwickelte sich eine Freundschaft, so dass sie mir sagte, sie werde mal sehen was sich machen läßt. Natürlich mußte ich des öfteren mal hin und mich in Erinnerung
bringen. Mal mit Pralinen, mal mit einer Flasche Wein.
Nach einem halben Jahr konnte sie nicht mehr zurück. Sie rief mich an: ich solle doch schnell mal vorbeikommen. Mir rutschte fast das Herz in die Hose - jetzt musst du mit
ihr in die Kiste...
Als ich ihr Zimmmer betrat, strahlte sie über das ganze Gesicht. Ich ließ die Flasche Rotkäpchen in eine Ecke aus meine Hand gleiten, es raschelte fürchterlich. Sie deutete
mit der Hand in die andere Ecke.
Dort standen zwei Kartons, auf der einen Seite ein Lieferschein und darunter in großer Schrift: "Zurück Transportschaden" sowie zwei Unterschriften. Die Rechnung lag auf
dem Tisch. Ich las noch was von 40%... Mit allem hatte ich gerechnet nur nicht damit. Ich nahm sie in den Arm, legte noch einen Fünfziger dazu und verschwand.
Auf der Autobahn mußte ich erst mal anhalten, mir war abwechselnd kalt und heiß. Ich riss die Verpackung auf: Funkelnagel neue Fenster, keine Schramme und kein
defektes Glas. Laut singend fuhr ich auf unsere Werft.
Noch lange lag ich mit meinem Freund an diesem Abend im Gras. Da schmeckt eine Flasche Bier - das kann ich Euch sagen.

Bauplatz

Unser Bauplatz befand sich am Stadtrand in einer Gartenanlage. Auf der einen Seite befand sich ein großes Kirchengelände, auf der anderen Seite ein Kleinbetrieb, wo wir auch unseren Kraftstrom herbekamen. Die ersten Häuser waren 100 m vom Bauplatz entfernt.
Unser Ort Rheinsberg war zur damaligen Zeit ein Knotenpunkt zwischen den Garnisonsstädten Neuruppin, Oranienburg und Wittstock auf der einen Seite sowie Fürstenberg,
Neustrelitz, Neubrandenbutg und Dannenwalde (bekannt durch das Raketeninferno, bei dem etliche Raketendepots in die Luft flogen), um nur einige zu nennen.
Zwischen diesen Städten fand ein ständiger LKW Verkehr - ca. 100 Fahrten jeden Tag. In unseren Wäldern waren unsere sowjetischen Freunde ständig präsent. Unser
Garagenkomplex befand sich am Ortsende schon fast im Wald.
Da wir ständig finanziellen Benzinnotstand hatten, wurde natürlich ein reger Tauschhandel aufgebaut. (die Russen waren noch ärmere Schw... als wir) In den
Abendstunden, wenn es so langsam dunkel wurde, begann oftmals ein hektisches Treiben zwischen den Garagen.
Viele von uns hatten ständig zwei leere 20 L Benzinkanister und eine Flasche Wodka bereitstehen - Das war ein feststehender Umtauschkurs. Auf dieses Thema komme ich
später nochmal zurück.
Bleibt dran es wird noch sehr spannend.
Nicht dass ihr aber denkt Münchhausen ist jetzt von Bodenwerder nach Rheinsberg umgezogen - NOCH gibt es ein paar lebende Zeugen.


Hintergründe:

Gelernt habe ich Motorenschlosser auf einer Werft. Damals ging es natürlich durch alle Abteilungen, von der Konstruktion bis zum Nieten kochen, von der Drehbank bis zur Kesselschmiede. Anfang der 50er wurde das Unterwasserschiff grundsätzlich genietet, geschweißt hingegen wurden Aufbauten usw. Dem Schweißen stand man noch sehr skeptisch gegenüber.
Über die Schiffserprobung und Überführung, gelangte ich schließlich zur Schiffahrt und schließlich zur Seefahrt. Als ich Mitte der 60er an der Seefahrtsschule mein Patent C4 machte, lernte ich natürlich interessante
Jungs kennen. Jeder hatte schon irgendwo seinen Fuß in der Tür: Auf unseren großen Werften, in Fischerei-, oder anderen Instituten. Bedenkt: es gab auch eine Zeit vor der Mauer und Personal was von der Seefahrtsschule Warnemünde/ Wustrow kam, war sehr gefragt.
Ich hatte auch einen Fuß in der Tür und zwar in den Ehehafen. Damit war es für mich gelaufen.
Es blieb also nur noch der Wassersport, wenn ich es noch ein wenig plätschern hören wollte. So bin ich in eine wasserreiche Gegend gezogen und mein ersten Boot (der "Knurrhahn") entstand.
Als wir "C4"er uns in Warnemünde zur Jubiläumsfeier wiedersahen, war das natürlich ein großes Erlebnis. Damals habe ich mal einen Kumpel aus einer unsäglichen "Patsche" herausgeholfen. Wir quatschten und feierten
und ausgerechnet er war dem Wasser genau wie ich treu geblieben und gerade mit dem Bau einer Seegeljacht fertig geworden.
"Ich schenke dir mein Schweißgerät". Das war wie Weihnachten: ein Gleichstrom Gerät mit 100 A Dioden. Ein Traum, besonders für Edelstahl geeignet, die Elektrode fließt wie Butter ins Metall.
Es verdichtete sich immer mehr in der Vorbereitungsphase....


Stahlbesorgung

Die Beschaffung von Blech, Winkel- und Bandeisen sowie anderer Profile aus sogenanntem schwarzem Material war kein Problem. In der DDR gab es die sogenannten Metallgenossenschaften. Man bestellte, das ging in die Planung und dann mußte man warten. Ein Problem waren natürlich unsere Mengen. Wir splitteten alles auf und bestellten bei vier verschiedenen
Genossenschaften.
Ein weiteres Problem war der Preis. Für Privatpersonen wurde das Material anders besteuert, als für Betriebe. Um den Bootsbau glaubwürding zu machen, war auch ein wenig Überzeugungsarbeit erforderlich. So fuhren wir mit einer handvoll Zeichnungen durch die Lande und bestellten. Nach ca. 6 Monaten hatten wir alles beisammen. Zum Einkaufspreis für Privatpersonen. Ein großer Posten in unseren maroden Kassen. (In den Familienbutgets wurde vieles gestrichen. An Urlaub oder Rauchen, um nur einiges zu nennen, war nicht einmal zu denken).
Eine Position lenkten wir gleich in einen kleinen Betrieb mit einer 2m Schlagschere und einer modernen Abkantbank um. Hier kannte ich den Chef noch vom Meisterstudium. Als er meinen Bestellzettel sah, zuckte er erst einmal zusammen. Was tun? Ich lud die gesamte Werkstatt (5 Mann) zu
einem Sonntagsausflug mit dem Knurrhahn (mein erstes selbstgebautes Boot) ein - und wir ließen uns nicht lumpen. Mein Freund fuhr die Schnapsleichen spät Abends heim.
Nach vier Wochen kam der Anruf: "Abholen."
20 Platten lagen da in Streifen geschnitten. Dann der Spruch vom Chef: "Dein Material hat uns nicht gefallen". Die anderen Posten hat der Betrieb daraufhin aus Tiefziehblech aus eigenen Beständen hergestellt: Fast die gesamten Aufbauten in alle gewünschten Formen gekantetet, Tagestanks, Öltank usw. Das war nicht zu fassen.

Tiefziehblech ist ohne Zunder und somit wesentlich leichter zu verarbeiten - Das ersparte uns sehr viele Stunden Arbeitszeit.
Aus Freude organisierte ich sofort den nächsten "Sonntagsausflug", diesmal mit Frauen - ich glaube er war sogar billiger. (Und auch nach Fertigstellung der "Fernweh" kam es oftmals zum "Betriebsausflug" auf den heimischen Seen.)
Ja lieber Leser, so ist das wenn man Freunde und Bekannte hat,die ein bisschen was auf den Kasten haben.

Unserer sowjetischen Freunde

Von den Ru.. , entschuldigt, von unseren sowjetischen Freunden habe ich ja schon was angedeutet. Unsere Informationen waren natürlich weit umfangreicher. Wir mußten unbedingt in der höheren Ebene einen Kontaktmann finden, der Deutsch spricht. Hierzu waren meine Fürstenberger Kollegen der Schlüssel. Jetzt kam unsere Strafe, dass wir uns Jahrzehnte lang der russichen Sprache verwehrt haben.
Eines Tages hielt ein Jeep bei meinem Freund vor der Tür. Erst mal ...Schreck. Ein klein bisschen schlechtes Gewissen hatten wir immer. Wir bekamen eine Machorka und rauchten. Schnell war Bier und Wodka auf den Tisch. Wodka wurde IMMER aus Mostrichgläsern getrunken. Ein gut halbvolles Glas, da hatte man nach oben hin immer noch ein wenig Platz... Beim Dritten waren wir per Du. Oleg sprach ganz gut deutsch. Er wußte schon, dass es um Boote ging. Nach zwei Stunden (uns fiel bald die Leber raus ) hatten wir am Sonntag gemeinsam einen Termin.
Wir fuhren auf ein Armegelände in einem Jeep. Die Posten grüßten uns alle freundlich - wir kamen uns vor wie die Geheimpolizei in Zivil.
Wir trauten unseren Augen nicht: Zusammengeschossene Panzer zu Hauf, sogenannte Sturmboote (diese wurden zum Einschwimmen von Pontoteile für Brücken eingesetzt) - an die 50...
Motore, Batterien - alles noch drin. Lenzpumpen, Schalter, Armaturen usw. Natürlich alles wie nach einem Krieg. Für Bastler aber eine wahre Goldgrube.
Noch heute fahren mehrere Boote aus diesen Karkassen in Rheinsberg und es sind hübsche Sportboote daraus entstanden.
Meine ersten Lenzpumpen waren aus einem dieser Schwimmpanzer, meine ersten Batterien mit 180 Ah, aus einem Sturmboot.... Ein Vermögen wenn wir die ganzen Schätze hätten kaufen müssen.

Günter Heinke