Beschichtung, GfK, Epoxyd, Polyester, Leichenhemd

Verkaufsgebinde Polyester
Verkaufsgebinde Epoxid
Glasfasermatte
Glasfasergewebe

Rümpfe von Holzbooten können aus verschiedenen Gründen mit einer Beschichtung versehen werden. Diese Beschichtung wird weitläufig als GfK (Glasfaser verstärkter Kunststoff) bezeichnet. Die Bezeichnung ist leider ungenau und führt immer wieder zu Rückfragen, weswegen wir uns eine etwas genauere Wortwahl aneignen sollten.

GfK bezeichnet einerseits sowohl die Beschichtung mit den Kunstharzen Polyester (1) oder Epoxyd (auch: Epoxid, Epoxi, Epox, EP) (2) als auch andererseits mit Glasfaser-Gewebematte (3) oder Glasfaser-Vlies (4).

zu 1: Polyester (auch ungenau, eigentlich Polyesterharz) sind Kondensationsprodukte aus mehrwertigen Alkoholen und Dicarbonsäuren. Es sind für unsere Anwendungsfälle zweikomponentige Produkte, bestehend aus dem eigentlichen Harz und einem Härter, die erst miteinander verrührt die verarbeitbare Masse ergeben. Das Mischungsverhältnis wird von den Herstellern angegeben und sollte eingehalten werden.

zu 2: Epoxyd (auch ungenau, eigentlich Epoxydharz) sind Polymere. Es sind für unsere Anwendungsfälle zweikomponentige Produkte, bestehend aus dem eigentlichen Harz und einem Härter, die erst miteinander verrührt die verarbeitbare Masse ergeben. Das Mischungsverhältnis wird von den Herstellern angegeben und muß peinlich genau eingehalten werden.

zu 3: Glasfaser-Gewebe wird im Zusammenspiel mit Epoxy eingesetzt. Wie es der Name sagt, sind die Fasern zu einer textilen Struktur verwebt und können meist Kräfte in einer bestimmten Webrichtung besser aufnehmen als in der anderen.

zu 4: Glasfaser-Vlies ist ein unregelmäßiger Verbund der Fasern und wird mit Polyester eingesetzt. Meist sind die Fasern noch chemisch benetzt um die Haftung des Harzes zu erhöhen.


Aufgrund der leichteren Verarbeitung und aus Kostengründen werden komplette Rümpfe aus Polyester-GfK hergestellt. Der Vorgang wird umgangssprachlich gern als "tuppen" bezeichnet. Der Werkstoff wurde für Serienproduktionen in den 1950er Jahren entdeckt - es wurde viel experimentiert. Nach etlichen Jahrzehnten verfügen wir über Langzeiterfahrungen: der Verbund ist chemisch einigermaßen resistent, lichtecht, relativ leicht, preiswert, formbar und eignet sich hervorragend als alleiniger Baustoff. Aber als Beschichtung für andere Materialien, namentlich Holz, ist er völlig ungeeignet - er verbindet sich weder chemisch noch mechanisch richtig mit dem Untergrund. Man spricht deswegen auch vom "Leichenhemd", weil zwischen die hölzerne Trägerschicht und die Beschichtung Wasser eindringen kann, das mit der Zeit sein zerstörerisches Werk am Holz anrichtet ohne daß es bemerkt wird.

Das Epoxyd hat im Bootsbau noch keine so lange Tradition und spielt bei der Beschichtung erst seit ca. 20 Jahren eine Rolle. Der große Fortschritt in Entwicklung und Vermarktung des Baustoffs ist den Gougeon-Brüdern und ihrer Firma West Systems in den USA zuzuschreiben. Die Vorteile von EP - sehr klebefreudig, innige Verbindung mit dem Trägermaterial sowohl chemisch als auch mechanisch - überwiegen die Nachteile: relativ teuer und akribische Verarbeitung, nicht UV-stabil. Im Zusammenhang mit EP kann und darf nicht vom "Leichenhemd" gesprochen werden.

Der Einsatz von Polyester auf Holzrümpfen ist heutzutage ein absolutes "no go", während sich EP als eine kleine Wunderwaffe für allerlei Anwendungen herauskristallisiert hat.

Wann kann eine Beschichtung angewendet werden?
Ein völlig maroder Rumpf wird auch mit einer Beschichtung nicht dauerhaft gerettet werden können. Wenn er jedoch nur teilweise angegriffen ist und auf die Sichtbarkeit des Holzes durch einen abschließenden Farbanstrich verzichtet werden kann, bringt eine Beschichtung nochmal viele Jahre Leben in einen Rumpf.
Auch Besitzer von Trailerbooten, die die alljährliche Prozedur der Wasserung (die bei einem Motorboot eh schwerer durchzuführen ist als bei Seglern) schwören inzwischen auf diese Beschichtung. Bei richtiger Anwendung wird die Optik des Holzes erhalten und weder Laie noch Fachmann können die Beschichtung erkennen.

Als dauerhafter Ersatz für eine Klarlackierung ist EP nicht geeignet, deswegen wird von der Beschichtung der Decksfläche auch abgeraten. Hier ist in der Regel die UV-Strahlung zu stark und kann dauerhaft auch nicht von stabilisierenden Klar-Lackierungen aufgefangen werden.

 

 

 





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