Holzboot, Max-Thiele-Werft, Malchow

Länge              6m
Breite              1.65m
Gewicht          ca. 600 kg (ohne Motor)
Bauart             Kajütboot, Eiche geklinkert
Baujahr           1964

Motor              Honda BF10 SRU (7,35 KW)

Ein Traum wird wahr.

Vorweg eine Bemerkung zu meinem Namenslogo.
Voyageurhat nichts mit Voyeurismus zu tun,sondern erinnert an die vorwiegend französischen Abenteurer, die Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts mit ihren Kanus die nordamerikanischen Gewässer bereisten, um mit den indianischen Ureinwohnern Pelzhandel zu betreiben.
Einem großen Kanu gleicht auch die schlanke Form meines Holzbootes.

Vieles beginnt mit einem Traum, so auch das Projekt meines Bootes.
Passend zu meinen grauen Haaren und meinem grauen Bart war ich schon länger auf der Suche nach einem traditionell in massiver Holzbauweise mittels Kupfernieten geklinkerten Boot. Doch in meiner Heimat an Rhein und Mosel sind solche Boote schwer zu finden. Wie so oft hilft Kamerad Zufall weiter und ich entdeckte im August 2014 jene Anzeige in einem Internetportal, dessen Fotos und Beschreibung mich elektrisierten, ein Holzkajütboot der Max-Thiele-Werft, Malchow, Bj. 1964.

Das Boot war grundsaniert, d.h. komplett geschliffen und lackiert sowie im Unterwasserbereich mit einem GfK-„Leichentuch“ beschichtet. Die Realität eines „Leichentuchs“ ist in der Tat reine Vertrauenssache. Epoxydharz haftet mäßig auf Eiche. Der Untergrund muss absolut trocken und gut angeschliffen sein.
Nach den Fotos des Vorbesitzers zu schließen, schien dies der Fall zu sein.Eine Vorabbesichtigung schied aufgrund der mehr als 700 km großen Entfernung aus.Auch hatte ich vorher am Bodensee ein etwa 100 Jahre altes Holzboot besichtigt, das vor einigen Jahren auf gleiche Weise behandelt worden war; - also tief Luft geholt und nach einigen vertrauensbekundenden Telefonaten und Emailsden unterzeichneten Kaufvertrag übersandt.

Aus persönlichen Gründen konnte ich das Boot erst im September 2014 abholen. Vorher war jedoch noch ein passender Trailer zu kaufen, den ich einen Tag vor Antritt der Reise bei einem Händler in der Eifel fand. So machte ich mich dann mit einem neuen Brenderup Basic 1300 von Koblenz aus auf den Weg nach Malchow.

Ein wenig abenteuerlich wurde dann die Fahrt mit getrailertem Boot zurück nach Hause. Aufgrund des gebogenen Kiels sowie auch hinsichtlich der Lastverteilung war der Trailer nur mäßig auf das Boot eingestellt. Dennoch verlief alles ohne Zwischenfälle.

Erste Anlaufstelle war der heimische Bootsservice, bei dem ich den Trailer an das Boot anpassen ließ.

Es wurde Oktober und eine Plane musste her. Also ließ ich mir bei einem Sattler eine neue Vollpersenning maßschneidern.

Dem Alter entsprechend bewahrt das Boot noch eine charakteristische Patina, die viele Jahre von Sonne, Wind und Wetter geprägt wurde. An vielen Stellen nagt der Zahn der Zeit.
Dies traf insbesondere auf den Vinylbezug des Daches zu, den ich im November 2014 bei einem Bootsbauer und Schreiner in Düsseldorf durch eine GfK-Beschichtung ersetzen ließ. Im gleichen Zuge wurden alle Fensterscheiben durch Acrylglas ersetzt.

Holz lässt sich wunderbar bearbeiten. Gerade im Winter schätzt man dessen Haptik und Wärme. So manche Leiste und Fläche streichelte ich fast liebevoll beim Schleifen. Auch viele verzinkte Schrauben ersetzte ich durch V2A- oder wo sichtbar durch Messingschrauben.

Mein Traum wurde intensiver je dunkler der Winter sich gebar, und im Januar 2015 träumte ich von sonnigen Bootswanderungen entlang der Lahn und Mosel. So inspiriert, bastelte ich eine kleine Anrichte, indem ich ein Gestell aus Rundhölzern in einen alten textilen Campinghängeschrank passend zum Originalheckzelt einsetzte. Noch eine Deckplatte aufgesetzt, eine Spüle mit Wasserhahn und elektrischer Pumpe integriert, Frisch- und Abwasserbehälter auf einen Zwischenboden gesetzt…; und was passt genau in das untere Fach? Eine PortaPotti-Camping-Toilette wie angegossen.

Nun sollte man auf einer Wanderfahrt auch bequem sitzen. Für ein paar Euro fand ich in einem Internetportal gebrauchte Regiestühle mit weißem Tuch, passend zum Boot. Diese arbeitete ich mit wenig Aufwand auf und kürzte den für den Heckbereich vorgesehenen Stuhl. Klapp- und verstaubar bieten sie eine hervorragende Variabilität, mit der sich Bestuhlung, Spüle, Kompressorkühlbox und eingebauter Klapptisch je nach Bedarf kombinieren lassen. Die gerade nicht benötigten Gegenstände finden in der Kajüte Platz.

Die Zusatzausrüstung wie Kühlbox, Spüle, Leuchten, Signalhorn etc. sind nutzlos ohne Strom. Zwar hing ursprünglich die Navigationsbeleuchtung direkt an der Starterbatterie, doch integrierte ich eine neue Sicherungs- und Schaltereinheit in eine Holzkiste, montierte diese an die hintere innere Kajütwand und schloss alle Verbraucher über die Sicherungseinheit und einen Batteriehauptschalter an die Starterbatterie an. Da jedoch die Kühlbox „kräftig Saft zieht“, kaufte ich für deren Betrieb eine mobile Power Station, die über ein spezielles 220 V- Landkabel mit FI-Schutzschalter aufgeladen werden kann.

Im März 2015 kam dann endlich der Zeitpunkt, an dem der fabrikneue Motor, ein Honda BF10 SRU, angebaut werden konnte. Doch die „Heirat“ des alten Bootes mit dem modernen Motor war nicht so einfach. Ich vermute, dass das Boot ursprünglich mit einem Innenborder mit Welle versehen war und der Heckspiegelkasten nachträglich eingearbeitet wurde. Jedenfalls war der vorhandene Freiraum für den Motor zu klein und die Seilzuglenkung gestattete nur kurze Ausschläge.


Mehrere Alternativen bis hin zum zusätzlichen Motorträger mit Hydrauliklenkung wurden betrachtet. Letztlich entschied ich mich zur Rückverlagerung der Seilzuglenkung über zusätzliche Umlenkrollen, die ich noch von einem anderen Projekt übrig hatte. Im gleichen Zuge wurden das Seil und einzelne Führungen erneuert. Der Motor erlaubt nun Ausschläge, die engste Kurven ermöglichen.

Endlich war das Boot am 16. April 2014 einsatzbereit. Die Jungfernfahrt fand am 19. April 2015 auf der Mosel statt.

Wie vermutet, entspricht das Fahrverhalten einem klassischen Verdränger, der ausgezeichnet zur „Entschleunigung“, d.h. Erholung nach hektischem Berufsalltag auf der romantischen Mosel oder der smaragdgrünen Lahn beiträgt. Der Weg ist das Ziel.
Nahezu geräuschlos und vibrationsfrei schiebt der Motor das schlanke Boot mit Rumpfgeschwindigkeit den Fluss entlang.

Wenn dann das Boot am Steg oder am Ufer vor Anker liegt, ich entspannt auf Deck sitze, ein laues Sommerlüftchen über das Wasser haucht, sich das Licht der untergehenden Sonne in einem Glas Wein bricht und das Deck honiggolden färbt, dann lebt mein Traum.

Wer Informationen zum Bootstyp hat kann sich gerne per PN beim User Voyageur melden.

Danke an Herbert für seinen Bericht und die Bilder.

 
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