"Asteria"

Nach langem Suchen war es Anfang Februar 2008 so weit.
Ich habe mein erstes Boot, ein Oldieboot gekauft. Ein Boot im Schnitt der alten italienischen Klassiker. Ein, wie ich damals dachte, schickes Mahagoniboot aus der alten DDR-Zeit mit einem P70 2- Zylinder, 2-Takter -Innborder.
Kurzerhand habe ich einen Autotrailer gemietet und bin dann morgens um 10.00 Uhr in Richtung Rostock bzw. nach Barlin in der Nähe von Demin gefahren. Das Boot samt Hafentrailer verladen und zurück auf den ca. 600 km langen Weg. Gegen 2.00 Uhr war ich wieder zu Hause und hatte nur noch Verlangen nach meinem Bett.
Am nächsten Morgen wurde mir der Umfang der Restaurierung bewusst. Also, ab in den nächsten Baumarkt, die erforderlichen Materialien, wie Abbeizer, jede Menge Schleifpapier usw. eingekauft.
Die Restauration begann mit den Entfernen der alten Lackschichten auf den äußeren Bordwänden. Zu meiner Entäuschung war, anstatt des vermeintlichen Mahagoni nur ein Sperrholz aus Kiefer oder so ähnlich verbaut. Ansonsten war das Holz in einem sehr guten Zustand, also nicht rott oder faul. Nachdem die Diskussion in punkto furnieren sich als erfolgloses Unterfangen herausstellte, habe ich das nun nackte Holz mit Mahagonibeize behandelt. Um die alten Holztexturen in den Hintergrund zu stellen, bedurfte es bis dato ca. 20 Schichten Klarlack mit den entsprechenden Zwischenschliffen.
Dabei möchte ich den einen oder anderen Rückschlag nicht vorenthalten. Bei einem dieser Zwischenschliffe war ich wohl zu übereifrig und habe an einigen kleinen Stellen auch gebeizte Flächen wieder freigelegt. Das war natürlich ein echtes Problem. Nach einigen Versuchen habe ich mit einer Lasur, die auf der gleichen Basis wie der Klarlack hergestellt war, dieses Maleur beseitigen können. Heute sieht es aus, als wäre es echtes Mahagoniholz.
Als nächstes habe ich mich dem UW-Schiff gewidmet. Das Boot haben wir mit einem Bagger umgedreht, um so optimal arbeiten zu können. Auch hier wurden die alten Beschichtungen abgetragen und mit mehreren Schichten Epoxy neu aufgebaut. Alle Stoßstellen wurden mit Glas laminiert und anschließend alles lackiert. Antifouling kam nicht zum Tragen, da das Boot kein Wasserlieger werden sollte. Nach einiger Zeit der Trocknung haben wir das Boot wieder umgedreht und das Deck in Angriff genommen.

Quasi zeitgleich ist auch das neue Armaturenbrett aus massivem Mahagoni entstanden. Dieses wurde dann mit Instrumenten von Faria und entsprechenden Schaltern aus alten DDR-Beständen versehen. Ebenso wurde das Steuer restauriert.

Das Deck aus Eiche und Lärche wies nach dem Entlacken doch einige nicht unerhebliche Risse auf. Ursprünglich wollte ich die Risse und Spalten auffräsen und ausleisten, doch dann kam mir eine geniale Idee. Ich wusste von Lackspezies aus dem Motorradbereich, dass diese u.a. auch Effekt-Folien unter den Lackierungen einsetzen. Ergo habe ich den Motorraumdeckel abgeschraubt, habe einige Schichten Klarlack zur Grundierung aufgetragen und habe anschließend die zuvor gespachtelten Risse in Form einer Stabdeckoptik mit 4mm breiten Folienstreifen beklebt. Anschließend lackieren und schleifen, lackieren und schleifen... usw. bis eine ebene Fläche entsteht. Die Optik ist von einem echten Stabdeck kaum zu unterscheiden.

Der Rest war recht entspannend, die Bodenbretter mit Teppich bezogen, die Bilge gereinigt, geschliffen und 3 x mit Bilgenfarbe gestrichen, die Maschine lackiert und eingebaut, Alu- und VA-Teile auf Hochglanz poliert, zwischendurch eine neue / gebrauchte Scheibe gekauft, getönt und eingebaut, die Seitenteile neu gebaut und die Sitze neu Polstern lassen. Auch die Klampen (Torpedoklampen) sind neu gekommen.

Nicht zu vergessen die großartige Hilfe von zwei Kumpeln, die sich um den Neubau des Tanks bzw. den Umbau der Abgasanlage gekümmert haben. Zum Tank, der nun aus VA gebaut ist und ein Fassungsvermögen von rund 48l hat, sollte ich erwähnen, dass der alte Tank nur eine Höhe von 10 cm hatte und es dafür keine Geber für die Spritanzeige gibt. Also musste er neu. Die Abgasanlage habe ich zugegebenerweise abgekupfert (so gesehen bei einem Oldieboot auf der Bootfit in Bremen). Aus dem Einender wurde so ein Zweiender. Gibt aufgrund der Schallrückkopplung im 2. Rohr dem Motor einen sonorigen Sound ähnlich einer Harley Davidson.

Nachdem nun alles gemacht war, gab es noch einige kleinere Hürden zu nehmen. Beim Tankbau hatten wir nicht berücksichtigt, dass der Vergaser ein so genannter Fallstromvergaser ist. D.h. der Sprit muss von oben nach unten laufen, da der Vergaser nichts ansaugt. Also Ausfahrt nur mit randvollem Tank möglich. Eine Pumpe war zu diesem Zeitpunkt nicht verbaut. Hinzu kam, das die Staudruckkühlung weit unterdimensioniert war und die Maschine bald abgeraucht wäre.

Das alles haben wir weitestgehend fit gemacht bis es dann beim 3. Versuch zur 1. echten Ausfahrt kam. Laut Speedometer brachte das Boot ca. 25 km/h. Jeder kann sich nun vorstellen, dass es sich dabei nicht um eine Gleitfahrt gehandelt hat. Das Boot wollte einfach nicht aus dem Wasser und schob eine Riesenwelle vor sich her. Da ja noch die Membranpumpe (Spritpumpe) ausstand, bin ich nur mit randvollem Tank gefahren, was natürlich das Boot recht kopflastig machte. Nach etwas Suchen habe ich bei Ebay eine passende Pumpe gefunden und sogar mit einem Vergaser. Wie sich herausstellte, war der Vergaser fast baugleich mit meinem alten - halt nur etwas größer. Also nicht lange gefackelt, den (neuen) Vergaser umgebaut, Membranpumpe eingebaut und siehe da, ein Leistungszuwachs von rund 5 km/h. Das hat ausgereicht um das Boot in Gleitfahrt zu bringen.

Alles in allem ist das Boot nun nach ca. 350 Arbeitsstunden weitestgehend wieder fit. Der Feinschliff muss noch bis zum Herbst warten, dann geht es weiter. Jetzt wird jedoch die Saison noch genutzt und jede freie Minute geht es aufs Wasser.

Text & Bilder: Olaf Tepe