Wiking 500 "Gritta"

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Nun ist die Saison ja schon ein paar Wochen vorüber. Doch wie wir alle kann ich das Frühjahr 2009 kaum erwarten. Es geht dann wieder aufs Wasser... Natürlich soll das wieder mit einem schmucken Boot sein. Die letzte Saison hat ja so einige Spuren hinterlassen. Kein Wunder, war ich doch fast jedes Wochenende und auch wochentags auf den Potsdamer Havelgewässern unterwegs. Fast 200 Betriebsstunden sind zusammengekommen!

Nun, da meine „Gritta“ trocken in der Garage steht, ist es Zeit, alles zu reparieren, zu sanieren und auszutauschen, was angegriffen oder kaputt ist. Doch zuerst etwas über das Boot.

Die „500“ ist zwischen 1970 und 1974 bei der PGH „Wiking“ in Plate (Schwerin) gebaut worden. Der Betrieb ist nach der Wende vom damaligen PGH-Vorsitzenden Jürgen Schubert als „Bootsbau Schubert GmbH“ weitergeführt worden und existiert heute noch. (Bild 1). Jährlich sind 20 Boote gebaut worden, meines ist das 11. von 1973. Ein Werftschild hatten die Boote nicht, lediglich einen Farbstempel unter den Bodenbrettern, bei mir: „11/73“. Wichtig also, diese Teile zu erhalten. Das Boot gab es in IB- und AB-Variante; erstere konnte bis 70 PS, die zweite bis 45 PS motorisiert werden. Ich habe einige Generalpläne beider Varianten, leider nicht als Scan. (Bilder 2, 3, 4, 5)

Mein Boot habe ich im April 2006 von einem Koch gekauft, der das Boot 2000 zerlegt und bereits zu schleifen angefangen hatte. Der Körper war in gutem Zustand, bis auf das Deck und alle Originalteile waren vorhanden. Leider habe ich von diesem Zustand keine Bilder gemacht. Jedoch habe ich in Erfahrung gebracht, daß das Boot von 1980 bis 1992 einem Wassersportclub in Halle gehörte.

Nun also zur jetzigen Überarbeitung. Begonnen am 30. 11. 08.
Zunächst eine Aufnahme der Schäden bzw. Abnutzungen. Das Deck ist völlig hinüber, denn der Vorbesitzer hat beim Schleifen das Decklage an vielen Stellen durchgeschliffen. (Bild 6) Die Nagellöcher haben sich schwarz verfärbt, der Lack ist stumpf. Diverse Kratzer, ausgebrochene Stellen von mißlungenen Anlegemanövern (Bild 7), abgeblättertes Antifouling (Bilder 8, 9) und eben ein „abgewohnter“ Gesamtzustand machen es notwendig, Hand anzulegen. Schwerpunkt ist das Deck. Das wird komplett erneuert.

Also alles abgebaut, Scheiben, Klampen, Licher, Leisten usw. , alles ausgeräumt. Damit war schonmal ein Tag weg. Dann die Frage, wie das Deck runtergeht, ohne es zu zerstören, denn ich wollte die Teile als Schablone nutzen. Und welches Holz nehme ich? Am liebsten natürlich das Original, aber bis heute habe ich nicht herausbekommen, was das für ein (Sperr-)holz ist. Vielleicht in Staboptik? Habe ja viele schöne Boote gesehen in Teupitz und auf der Messe. Oder nur in Mahagonie? Schwere Entscheidung! Und die ist bis heute, 28.12.08, immer noch nicht endgültig gefallen.

Das Deck ging relativ leicht herunter. Die Nägel gingen entweder mit dem Kopf durch die Platte oder zogen sich heraus. Sanft gehebelt und gezogen, dann war nach einer Stunde eine Deckshälte herunter. Es besteht aus zwei Teilen, längs der Mittellinie geteilt. (Bild 10) Leider gingen auch die Randleisten der Plicht mit zu Bruch, denn die waren gut verklebt. Da habe ich gelernt, daß massives Mahagonie nicht sehr biegsam ist.

Interessant, was man so alles findet, wenn erstmal das Deck runter ist, nämlich Fäulnis. (Bild 11) Und allerlei konstruktive Details. Die Decksweger sind lamelliert, d.h., ein Balken aus mehreren Leisten verleimt. Gut zu erkennen auf dem Bild 11. Die Leimungen waren locker, die Balken instabil. Am Bug einige Leisten völlig weggefault. Ohje, was nun? Austauschen? Reparieren? Erstmal ein Bier und recherchieren. Ich habe mich für Reparieren entschieden, denn der Austausch dieser Balken käme bald einem Bootsneubau gleich. Bei dieser Gelegenheit kann auch mal die Elektrik sortiert werden, sie ist noch etwas provisorisch aus 2006. (Bild 12) Mit Epoxydharz habe ich die Lamellen neu verklebt und zusätzlich verschraubt. Die angefaulten Teile ausgestemmt und neue Leistenstücke eingeklebt. Zum Schluß dann mit Spachtel aufgefüllt, um eine neue Decksauflage zu haben. Hält alles bombenfest. Ansonsten ist der Körper immer noch gut in Schuß, bis auf ein paar lose Leisten, die ich neu verschraubt habe.

Da ein Holzrumpf, der jahrelang trockenlag, Wasser ziehen wird wie ein offene Schleuse, wußte ich. Ich hatte damals vorsorglich eine Lenzpumpe eingebaut, die mittels Schwimmerschalter dafür sorgen sollte, daß es nicht absäuft. Hat auch gut funktioniert, doch der Ort der Pumpe und vor allem des Schalters war falsch gewählt. Der Schalter hat ein so großes „Schaltfenster“, daß die Pumpe noch lief, als schon fast alles Wasser aus dem Boot war. Ging mächtig auf die Batterie. Grund war, daß ich Pumpe und Schalter jeweils links und rechts vom Kielschwein montierte. Auf der Pumpenseite wars trocken, schalterseitig noch nicht. Also das auch gleich geändert und beides auf eine Seite verlegt. (Bild 13). Irgendjemand hatte vor vielen Jahren die „glorreiche“ Idee, die Öffnungen zwischen den Spanten und den Bodenplanken mit Holzkitt zu verschließen. Das gammelte nicht nur, sondern verhinderte auch das freie Spiegeln des Leckwassers. So konnte doch schon mal 3-4 cm Wasser in den „Abteilungen“ stehen, ohne das die Pumpe ansprang. Ich glaube, derjenige hat zu oft „Titanic“ gesehen. Also raus mit dem Gammel und dem Wasser den Weg zur Pumpe freigemacht.

Es weihnachtet schon sehr...

Feiertage sind rum und ich bin im Keller. Es wird Zeit, sich um das Deck zu kümmern. Die Teile müssen sinnvoll zerschnitten werden, um den käuflichen Tafelmaßen Rechnung zu tragen. (Bild 14). Man kann hier auch nochmal sehen, welche Makel das Deck hat (Bilder 15, 16). Immer noch die Frage, welches Holz das ist? Wer es weiß, unbedingt melden!!! Ich habe das ganze dann in 6 Teile zerschnitten. Natürlich wäre die originale Deckbelegung die erste Wahl, aber wie gesagt, Stabdeck ist ja auch schick. Es gibt nicht viele Anbieter von Bottsbausperrholz. Man trifft immer auf zwei Namen: Sommerfeld und Rüegg. Die ganzen weiteren Anbieter kaufen bei denen und handeln damit. Im Prinzip also wurscht, bei wem man das Holz kauft, es sind immer ähnliche Preise. Und mal ehrlich, welcher Bootseigner schaut schon aufs Geld (kleiner Scherz)?

Also mal gerechnet. Alleine das Vordeck bedarf 4,08 m² Sperrholz, inclusive Verschnitt. Heißt also, 1/3 des gekauften Sperrholzes schmeiße ich weg. Ich habe nur mal das Vordeck finanztechnisch betrachtet und gegenübergestellt. (Bilder 17, 18). Übrigens: aus einer Tafel kann ich nur eine Vordeckhälfte schneiden. Der Verschnitt reicht für kein weiteres Teil des Decks. Das lasse ich über Silvester erstmal sacken und frage dann mein Konto.

Nächstes Jahr Neues an dieser Stelle!

Fortsetzung:

Nun habe ich über den Jahreswechsel genug nachgedacht.
Ziel ist es, Ende März/Anfang April 2009 den Kahn wieder im Wasser zu haben.
Das Holz ist das eine, der Lack das andere. Und dazu brauchts halbwegs Temperaturen. Ich habe ja einige Meinungen im Forum eingeholt, was ich nun aufs Deck lege. Ich habe mich für Gabun entschieden und das auch bestellt bei einem Bootsausrüster in Potsdam. So bleibe ich dicht am Original, trotz modernen Klebers.
Ich habe mir die Teile vorschneiden lassen, da ich ja die alten Teile als Schablone nutzen wollte. Das funktioniert nur bedingt, habe ich feststellen müssen.
Also die Rohlinge aufs Boot und dort angerissen (Bild 24, 25) . An den Rändern habe ich 2-3 mm stehen lassen, das wird dann geschliffen, um eine saubere Kante zu haben. Also die Teile in den Keller und gesägt.
Wie jedoch das Deck befestigen? Das alte war mit Dutzenden Nägeln und Holzleim befestigt. Auf Nägel wollte ich verzichten, um die Optik zu verbessern. Die alten Nägel haben ja schöne schwarze Stellen im Holz hinterlassen, das sollte nicht wieder passieren.
Als Kleber habe ich Epoxidharz verwendet und mit Füllstoff angedickt. Der Kleber hatte eine Topfzeit von rd. 2 Stunden, sodaß ich in Ruhe anpassen konnte. So ganz kam ich doch um ein paar Nägel nicht herum, um die jeweiligen Teile zu fixieren.
Ich habe Messingnägel verwendet. Die Teile des Decks habe ich mit Gurten und Klötzern verspannt, um so den nötigen Anpreßdruck zu haben.
Nun beginnt die „elende“ Schleiferei. Das neue Deck habe ich mit 240er Korn geglättet. Die Bordwände habe ich nur leicht angeschliffen mit 240er Papier, da der Lack noch ganz ordentlich war und 2 bis 3 Renovierungsanstriche reichen sollten.

Doch womit lackieren?
Natürlich erstmal das Forum durchsucht und alles mögliche gefunden und gelesen. 2006 hatte ich Epifanes genommen. Damit war ich ganz zufrieden. Schöner Glanz, eine „plastische“ Tiefe im Lack, problemlose Verarbeitung. Aber eben zig Schichten, mit Trocknungszeiten, Zwischenschliff usw.
Da dauert nur der Klarlack locker zwei Wochen. Allerdings habe ich keine Erfahrung mit 2K-Lacken hinsichtlich Verarbeitung, Anzahl der Schichten, Topfzeiten.
Also doch Epifanes. Ich habe den bei einem holländischen Lieferanten bestellt. Der Liter für sagenhafte 17,50! Aber nicht nur außen solls glänzen, auch innen. Da wartet eine Reihe von Flächen auf Behandlung.
Das Armaturenbrett ist ein massives Mahagoniebrett, auf dem der Lack der Jahrzehnte klebte. Also runter damit. Es hat mich einen ganzen Tag sowie 10 Schleifblätter gekostet. Der Lack klebt ja herrlich das Papier zu. Ziehklinge war mir da nichts, wollte keine Riefen im schönen Holz riskieren. Dann im wesentlichen die Staukästen unter den Rücksitzen, den sichtbaren, oberen Decksbalken und einiges andere geschliffen.
Von „seven777“ habe ich gut erhaltene Alu-Profilleisten bekommen für den oberen Decksabschluß. Nach 36 Jahren sah man den alten ihr Alter auch an. Dellen, Riefen und verbogene Stellen ließen weitere Verwendung nicht zu. Auch waren die alten Profile grau-silber eloxiert und damit nicht polierbar.
Die neuen sind nun blank und auch etwas breiter, sodaß es auch besser aussieht.
Jedoch gab es ein neues Problem: Die Profile an den Rammleisten waren auch eloxiert.
Also vorsichtig mit 600er Wasserschleifpapier angefangen zu schleifen. Ziemlich hart, diese Schicht! Das würde Tage dauern! Also mal mit einer Schleifmaus und 240er Trockenpapier versucht.
Ja, geht, doch dauert auch ewig.
Also Exzenterschleifer mit 120er Papier genommen und losgeschruppt. Hinterher mit 240er Papier und dann mit der Hand mit 600er Wasserschleifpapier feingeschliffen.
Bild 26 zeigt das unpolierte Ergebnis.
Eine Polierprobe ergab herrlichen Glanz! Ich bin zufrieden, auch wenn das einen ganzen Tag gedauert hat.
Michael Grothe hat mir neue Randleisten aus Mahagonie für die Plicht angefertigt. Ich habe sie mit Epoxid geklebt.
Der Kleber quoll beim Pressen etwas aus der Fuge. Das ist relativ blöd, denn das Decksholz hat sich dadurch leicht lackartig eingefärbt.
Ich habe es vorsichtig versucht, wegzuschleifen, doch das klappte nicht ganz. Gut, nun muß ich damit leben.Fein geschliffen warten sie nun wie alles andere auf den Lack.
Ich habe die ersten 2 Schichten ca. 1/3 verdünnt mit der Rolle aufgebracht. Bordwände und Spiegel spiegeln herrlich!
Das Deck natürlich noch nicht.
wischenschliff habe ich mit 240er Korn mit Schleifmaus gemacht.
Der Schleifstaub wurde mit Bürste, feuchtem Schwamm und Staubtuch entfernt. Die Rolle brachte ein wirklich gutes Ergebnis. Etwas problematisch sind nur die Ecken und Kanten, da es hier zum „Ausdrücken“ des Lackes aus der Rolle und somit zu Laufnasen kommt.
Jede Schicht habe ich 36 Stunden bei ca. 18°C trocknen lassen.
Die Trockenzeit war noch zu kurz, denn beim Schleifen hat der Lack teilweise noch gekrümelt. Also lieber länger warten.
Gestern, 18.3.09, habe ich nun die 3. Schicht aufgebracht.
Diesmal mit einem guten Lackierpinsel. Sofort fiel mir der Beitrag von „dennisk“ über die Sache mit der schönen Lackierung ein! Das Deck glänzt fantastisch, doch was sehen meine Augen???
Als wenn jemand Quarzsand drübergehaucht hat! Man muß schon auf 30 cm rangehen, um es zu sehen. Zu fühlen ist es auch.
Was ist das? Staub? Luftbläschen?
Während des Lackierens war nix zu sehen, doch nun nach dem Anziehen des Lackes zeigt es sich. Ich habe versucht, es zu fotografieren, doch auf dem Bild ist es nicht zu sehen. Und es ist auch nur auf dem Deck, die Bordwände sind okay.
Hier mal ein Bild vom Spiegel (Bild 27). Meine Befürchtung, daß der Aufkleber durch den Lack angelöst werden könnte, hat sich nicht bestätigt. Sieht sehr dezent aus! Durch die Dicke des Materials ergibt sich eine schöne plastische Wirkung.
Insgesamt sieht man einen Zwischenstand auf Bild 28.
Die Zeiten des Trocknens habe ich natürlich auch genutzt.
Die Ruderlager waren ziemlich ausgeschlagen; auch war das Ruderblatt und das Kühlwasserstaurohr vom Zahn der Zeit und des Wasser stark angegriffen.
Also ab damit und überarbeitet. Das obere Ruderlager (Bild 29) ist hinüber; es wird gerade ein neues gefertigt, ebenso wie die Buchse für das untere. Die Einzelteile habe ich mittels Fächerscheibe und Drahtbürste bearbeitet und dann mit Penetriermittel gestrichen (Bild 30, 31).
Auch diese Teile warten nun auf ihre neue Farbe.



Text & Bilder: Dirk Bütow (wikingdirk)

 
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