Spatz "Heide"

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Die Restaurierung eines Motorbootes
Typ Spatz

Das Boot habe ich samt Anhänger ca. 1994 von meinem Vater geschenkt bekommen (Bilder 1 - 6). Er ist von 1969 bis 1980 auf der Bleilochtalsperre damit gefahren. Der Zustand war von der Substanz her nicht schlecht, aber alles musste überholt werden. Ein Motor war nicht dabei, aber alle Zubehörteile für den Wartburgmotor. Die Sitze fehlten, die Scheibe war gebrochen, die Elektrik war undurchsichtig, der Lack war schlecht, aber alles in allem eine solide Basis.

Das Boot ist 4.10 m lang und 1.50 m breit. Hergestellt wurde es von der Firma PGH Müggelspree in Berlin
mehr.... Mein Vater sagte mir allerdings, er hätte es von einer Firma aus Dresden gekauft, die es vom ursprünglich vorgesehenen Außenborder auf Mittelmotor umgebaut hätte. Dieselben Boote hätte es auch aus Berlin gegeben. Diese hätten aber den Kühlwasseraustritt auf der Steuerbordseite gehabt.

Und was macht man nun damit? Erst mal in die Garage stellen und vom Boot fahren träumen. Irgendwann erkennt man, dass man eigentlich drei Probleme auf einmal hat, denn zum Boot fahren braucht man ein funktionierendes Boot mit Registrierung, einen Anhänger mit Tüv und Zulassung, und natürlich einen Führerschein.

Uns so kam es wie es kommen musste, das Boot blockierte die Garage bis zum Frühjahr 2008. Zuerst habe ich den originalen Anhänger von 1970 komplett zerlegt und alle Teile von der alten Farbe befreit. Dann alles grundiert und lackiert und alles wieder zusammen gebaut. Die Auflagen fürs Boot habe ich aus Holz nachgefertigt und dann neu gepolstert. Schnell noch die Elektrik neu gemacht und schon war der Anhänger fertig. TÜV hat er sofort bekommen, sogar mit der alten originalen Anhängerkupplung!!! Um die Haltbarkeit der alten DDR-Drehstabachsen zu erhöhen, habe ich sie mit Fett gefüllt. In der Mitte der Achse ist das Widerlager der Drehstäbe eingeschweißt. Jeweils einige Zentimeter rechts und links daneben habe ich Schmiernippel eingesetzt und die Achsen so - quasi von innen nach außen - mit ca. 3 kg Fett gefüllt. Auch die Radlager habe ich an der Nabe zwischen den Lagern mit Fettnippeln ausstattet und randvoll mit Fett gmacht, so dass kein Wasser eintreten kann.

Die Bordwände habe ich zuerst bis auf das Holz abgeschliffen. Das Unterwasserschiff hatte mein Vater schon mal 1970 mit 5 mm Epoxydharz beschichtet. Auch das habe ich von allen alten Anstrichen befreit. An der Wasserlinie gab es damals immer Risse zwischen Epoxyd und dem Sperrholz, deswegen habe ich die gesamte Außenseite des Rumpfes mit zwei Lagen GFK beschichtet und dann „schnell“ glatt geschliffen und weiß lackiert.

Jetzt stand das Boot wieder auf dem Hänger und ich habe versucht die Farbe auf dem Deck abzuschleifen. Zum Vorschein kam ein Mahagonideck, dessen farbloser Lack sich überhaupt nicht schleifen ließ. Aus einem Malergeschäft habe ich eine Ziehklinge besorgt und damit ging dann der Lack ab. Nach dem schleifen habe ich das Birkensperrholz im Originalfarbton gebeizt. Danach kam die Sache mit dem Lack. Auf allen gängigen Internetseiten stand überall wie es nicht geht, also war Selbststudium angesagt. „Nur Versuch macht kluch“! Verwendet habe ich die einzige Sorte Lack, die beim Farbenhändler lieferbar war: „super Bootslack". Die erste Lage habe ich mit 30% Verdünnung verarbeitet, danach sechs Schichten unverdünnt. Dazwischen habe ich den Lack immer wieder mit feinem Flies abgerieben und den Staub entfernt. Wichtig ist nur, dass zwischen dem Lackieren nicht mehr als zwei bis drei Tage vergehen, weil sonst alles noch mal angeschliffen werden muss. Danach glänzt der Lack schön, der Glanz schwindet aber nach zwei Wochen in der Sonne noch etwas.

Alle Stahlteile, wie Ruder, Auspuffendstück, hinteres Wellenlager und Kühlwasseraustritt habe ich aus Edelstahl nachgebaut. Die kupferne Auspuffanlage habe ich ohne Hand anzulegen wieder eingebaut. Auch die originale Seilzuglenkung blieb unberührt. Den Kabelsalat habe ich komplett ausgebaut, den Kabelbaum mit altem Isolierschlauch überholt und wieder eingebaut. Geholfen hat mir dabei ein Schaltplan vom Wartburg.

Die Instrumente habe ich nur gereinigt und wieder eingebaut. Interessant war, das der eingebaute Staudruckmesser der den Namen ELAMETER trägt, wahrscheinlich ein Originalteil ist. Es handelt sich um ein Tachogehäuse von einem 311er Wartburg, das recht fachmännisch umfunktioniert worden ist. Die Geschwindigkeitseinteilung wurde damals auf Papier gedruckt und zwischen den beiden Gläsern eingebaut. Den originalen Betriebsstundenzähler habe ich geöffnet, gereinigt, ein neues Glas eingesetzt und wieder verschlossen (Bilder 9 - 11).

Den Motor hat mein Bruder aus dem Schrott organisiert, anschließend habe ich ihn komplett zerlegt, gereinigt und lackiert. Um Gewicht zu sparen habe ich die Schwungmasse ca. einen Zentimeter abgedreht; eine negative Veränderung im Laufverhalten hat sich bisher nicht bemerkbar gemacht. Am Zylinderkopf wurde die Welle und die Wasserpumpe entfernt. Danach „schnell“ den Zylinderkopf poliert, alle Aluteile gereinigt und alles mit neuen Dichtungen montiert. Anlasser, Lichtmaschine und Vergaseranlage blieben unverändert, die Benzinpumpe bekam zur Sicherheit eine neue Membrane. Die Zündanlage bekam eine neue Grundplatte mit Unterbrechern und Kondensatoren. Zum Einstellen der Zündung bei laufendem Motor habe ich eine Stroboskoplampe verwendet, die man auch beim Boot fahren mit führen sollte um Störungen zu finden. (Bilder 7 - 8)

Die Beschläge und Lampen und Leisten habe ich teilweise sandgestrahlt um die Oxydschicht zu entfernen. Danach habe ich alles auf Hochglanz poliert.

Bei der Montage des Bootes habe ich nur Schlitzschrauben aus Messing und Edelstahl verwendet. Bei allen Metallteilen, die angeschraubt wurden, habe ich  Gummi untergelegt. Die Aluleisten an der Seite werden noch heute in vielen Formen und Längen hergestellt. Auch die Unterleggummis sind noch in verschiedenen Farben erhältlich.

Nach fünf Monaten und ungezählten Arbeitsstunden war das Boot dann fertig. Den Führerschein hatte ich auch noch zwischendurch bestanden. Die zweite Jungfernfahrt fand natürlich auf der Bleilochtalsperre statt.

Text & Bilder: Andre Reißmannn AAmwReissmann (at) aol.com



Meine Lieferantenliste:

Fa. Walter Misselwitz 
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Aluleisten, Gummiprofile, Wartburgteile, Trabantteile, Polsterstoffe Kunstleder (nur Neuteile)
 
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Firma ROWAK 
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