Bootswerft Max Schönherr

Das Logo der Firma Max Schönherr
Deckblatt eines Prospektes vor 1945
Super - Motorboot
"Standard" Motorboot
Rundspant Motorboot u. Ruderjolle
"Junior" und Seitenborder Motorboot
Ausstellungsräume, Berlin, Friedrichstraße 105 A, ausgebrannt 1944

Der Fundort unseres "Junior" war bei Fürstenwalde, im Osten Brandenburgs. Wir recherchierten daher im Berliner Raum, im Internet und im Telefonbuch, um etwas über Schönherr-Boote herauszufinden. Nach längerem Suchen wurden wir fündig. Im Branchenbuch von Berlin fanden wir dann eine Anzeige über Schönherr-Bootsliegeplätze. Wir telefonierten mit einer netten älteren Dame und erfuhren, dass ihr Vater tatsächlich Herr Max Schönherr und Eigentümer der Bootswerft Max Schönherr war. Wir beschrieben ihr unser Boot und sie meinte, es könne gut sein, dass es tatsächlich ein Schönherr-Boot sei. Fotos wurden verschickt und wir vereinbarten, uns in Berlin auf dem ehemaligen Werftgelände zu treffen.

Die ältere Dame erzählte uns: Ihr Vater, Max Schönherr (3.11.1893 – 21.2.1982) war gelernter Möbeltischler. Die Tischlerei befand sich in Berlin, Blücherstraße, ohne Anbindung an die Spree. Er übernahm ca. 1920 die Tischlerei von seinem Vater in der 2. Generation. Neben seiner Tätigkeit als Möbeltischler baute er sich ein zweites Standbein auf. Er legte den Möbeltischer- und Bootsbaumeister ab und begann ca. im Jahre 1923 mit dem Bootsbau.

An „muskelbetriebenen“ Booten wurden gefertigt : Ruderjolle - Angelkähne, Punt, Kanadier, Klinker–Paddelboot , Charpie–Paddelboot 

An Motorbooten wurden folgende Typen gebaut:  „Super–Motorboot“, „Standard–Motorboot“ und „Rundspant–Motorboot“ 

Bis zum Jahre 1929 brachte Max Schönherr die gefertigten Boote auf dem Landweg zum Wasser, wie beschrieben hatte sein Firmengelände keine Wasseranbindung. Im Jahre 1930 erwarb Max Schönherr ein Wassergrundstück in Berlin-Grünau, Regattastraße, und verlagerte die Produktion dorthin. Der Verkauf fand in den Ausstellungsräumen Berlin, Friedrichstraße 105 a, statt. Auf Bootsmessen stellte er regelmäßig aus.

Bei einem Bombenangriff 1944 brannten die Ausstellungsräume mit ca. 100 Booten vollständig aus. In der Kriegszeit wurde der Sportbootsbau eingestellt und auch Max Schönherr wurde, wie so viele, verpflichtet, Rettungsboote für die deutschen Kriegsmarine zu fertigen.

1951 wurde Max Schönherr enteignet und verlagerte die Produktion nach Berlin-Spandau. Aufgrund der schweren wirtschaftlichen Bedingungen in der Nachkriegszeit konnte die Produktion nicht mehr aufrechterhalten werden. Max Schönherr gab die Produktion von Booten auf, reparierte diese aber weiterhin bis 1982.

Max Schönherr fertigte in der Nachkriegszeit wieder Möbel sowie Waren des täglichen Bedarfs wie: Stullenbretter, Kochlöffel u.v.m. In den folgenden besseren wirtschaftlichen Zeiten nahm er die Bootsproduktion nicht mehr auf, er handelte mit Saga-Booten bis er 1982 verstarb.

Max Schönherr baute nicht nur Boote, er tüftelte ebenfalls an der Konstruktion von Schachtmotoren. In einem offensichtlich für Werbung bestimmten Manuskript schrieb er: „Durch mein patentiertes Verfahren ist der Motor mit einem Griff herauszunehmen, und die Welle durch zwei Flügelmuttern abnehmbar. Auch ist der Motor kippbar, so dass der Propeller beim Anlegen an flachen Stellen aus dem Wasser gehoben werden kann.“

1991 wurde den Erben des Max Schönherr das Gelände in Berlin-Grünau zurückübertragen. Auf dem Gelände in Berlin-Grünau wurde bis 1991 von der Werft „PGH Müggelspree“ später "VEB Müggelspree" mehr... u. a. der Bootstyp „Lotos“ produziert.

Das Gelände in Berlin-Grünau wird derzeit als Gewerbegebiet genutzt und auf dem Gelände in Berlin-Spandau werden Bootsliegeplätze sowie Winterquartiere vermietet.

Wir danken Frau Sonja Reinhold-Schönherr, welche uns so nett empfing und von ihrem Vater berichtete.

Text & Bilder: Andrea & Axel Burde

 
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