Bootsbau Gersch

Christoph von Mayenburg
Wbn-Schierstein
Christoph von Mayenburg
Mainz 1959
Jürgen Baginski
heute

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Firma Kurt Gersch & Sohn bekannt durch Rennbootkonstruktionen und Rennaktivitäten des Seniors. Kurt Gersch Dipl. Ing. und Konstrukteur ist Erbauer der ersten Dreipunkter in Deutschland. Die Firma Gersch Bootsbau wurde in einem Hausboot im Wiesbadener Schiersteiner Hafen gegründet.

Die ersten Dreipunkter wurden noch im Wohnzimmer des 1946 erbauten Hausboot gebaut. Diese Dreipunkter wurden mit Johnson und Mercury Außenbord-Motore ausgestattet. Die Rennszene entwickelte sich und mit Dieter König fand man den richtigen Spezialisten für  Rennmotoren. Kurt Gersch baute die Boote und Dieter König lieferte Motoren. Produziert wurden Dreipunkter der Klassen, B und C sowie Tourenrennboote der Klassen CU, DU sowie E01 Rennboote mit DKW Motoren.

1959 wurde die Hausboot-Steganlage nach Mainz-Kastel, dem jetzigen Standort der Werft verlegt.

Dieter Schulze ebenfalls Rennfahrer und Bootsbauer, lernte auch bei Kurt Gersch sein Handwerk und  baute später Proprider.

1950 wurde ein Tourenrennboot mit BMW Veritas Motor von Bootsbau Steaves für Jürgen Baginski (Besitzer des Werk für Spalttabletten) gebaut - die „ Berlin III“-,  welches noch nicht sehr erfolgreich war. Kurt Gersch baute 1954 zwei E01 Tourenrennboote mit DKW Motoren. Eines bekam „Jonny“ Graf von der Schulenburg und das zweite Friedel Daute aus Hanau.  Kurt Gersch erzielte mit dem geliehenen E01 Rennboot von Graf von der Schulenburg  genannt „Greif II“ sogar den Europameistertitel.

1956 konstruierte und erbaute Kurt Gersch dann ein Tourenrennboot für Jürgen Baginski -die „Berlin VI“- mit BPM 2500 ccm und 150 PS Rennmotor das in der Klasse E 02 eingesetzt wurde. 1956 gewann Jürgen Baginski mit Co-Pilot Kurt Gersch fünf Rennen und wurde „ Weltmeister“ beim Rennen in Cannes. Dies war der erste Weltmeistertitel für Deutschland im Motor-Bootssport nach dem 2. Weltkrieg. Baginski wurde von Dr. Ing .H.C.  Seebohm sowie  Bundespräsident Professor Dr. Heuss mit der großen Verdienstplakette geehrt. Ende 1956 wurde die „Berlin VI“ verkauft und galt Jahrzehnte als verschollen. Rolf Gersch half bereits 1956 als Kind mit bei dem Bau der „ Berlin VI“ und er fand das Boot 2009 verrottet in einem Container in Regensburg wieder. Mit Hilfe der Originalpläne und Bilder sowie div. Unterlagen von Kurt Gersch wurde es in 4 Jahren wieder in einen Neuzustand restauriert.

Rolf Gersch begann seine Lehre zum Bootsbauer und war durch den Vater vom Virus der Rennboote infiziert. Als Lehrling hat er bereits 1966 nach dem Scheitern des letzten Weltrekordversuches von Christoph von Mayenburg „Matheas VIII“  den Unterboden mit umgebaut um den höheren Geschwindigkeiten gerecht zu werden. Alle Boote von Mayenburg wurden von Gersch gewartet und zusammen mit Mayenburg´s Mechaniker Sperling mit Motoren versehen und verfeinert. Leider startete Christoph von Mayenburg -zu diesem Zeitpunkt bereits 50 Jahre alt- nicht mehr zu einem neuen Rekortversuch mit der „Mathea VIII“.

1967 bestand Rolf Gersch die Gesellenprüfung als Bootsbauer bei Opelit in Frankfurt/Main mit seinem Eigenbau „Thunderbird“ einem E01 Rennboot. 1997 verstarb der Seniorchef und Sohn Rolf übernahm den Betrieb den er bis 2014 weitergeführt hat. 2014 wurde die Firma verkauft. Rolf Gersch unterstützt den neuen Besitzer als Berater weiter.

Als Rennfahrer und Bootsbauer hat Rolf Gersch viele Kontakte. Er hat nicht nur die „Berlin VI“ gerettet, sondern war auch am Fund der „Berlin III“ beteiligt. Nach jahrzehntelangen Suchen nach verschollenen Rennbooten fand Rolf Gersch im Jahre 2003 ein vergammeltes Holzboot in einem Hinterhof. Die Sensation war perfekt. Das Boot entpuppte sich als  das Rennboot „Berlin III. Er gab dieses Boot weiter an einen Bootsbauer in Travemünde  der es mit Rolf Gersch´s Hilfe wieder zum Leben erweckte. Mit diesem Boot besuchten er ein Three Point Hydroplane Race in Porlezza Italy - einer großen Rennscene bei der historische Rennboote zum Einsatz kommen. Bei diesem Rennen sah er zum ersten Mal nach 1966 die restaurierte „ Mathea VIII“ wieder mit dem neuen englischen Besitzer John Hewett.

Rolf Gersch ist weiter auf der Suche nach verschollenen Rennbooten aus dem Hause Gersch und von anderen Werften. Wichtig ist es Ihm dabei, dass die gefundenen Boote wieder restauriert werden und nicht in Museen verschwinden. „Ein Rennboot gehört in sein Element das Wasser.“

Hier die Liste als PDF der gesuchten Rennboote: 

 

Text und Bilder Rolf Gersch und Dirk Maibuhr

 
Messe Berlin